Heimweh

Hallo meine Lieben,

Heute habe ich einen etwas anderen Beitrag für euch und zwar zum Thema >Heimweh<. Eigentlich hätte ich nie gedacht, dass ich mich mal dazu entscheide einen Beitrag über dieses Thema zu schreiben, aber das Heimweh ist, finde ich ein wichtiger Teil meines Jahres hier und gerade heute ziemlich präsent.

Ich hatte eigentlich in den vergangen 4 ½ Monaten seitdem ich hier bin gar nicht mit Heimweh zu kämpfen, aber heute hat es mich dann doch erwischt… Tja, nun sitzt man da in einem immer noch recht fremden Land, mit einer Familie, die man vorher noch nie gesehen hat und man fühlt sich ziemlich alleine gelassen.

Heimweh, was ist das überhaupt?

Ich habe mich da mal ein bisschen schlau gemacht und länger darüber nachgedacht: Heimweh ist ein Gefühl tief in jemandem drin und kommt nur selten zum Vorschein. Bei dem einen schneller und bei dem anderem eben langsamer. Es ist das Gefühl von Sehnsucht nach etwas/ jemandem und macht einen meistens traurig oder nachdenklich.

In meinem Fall bekam ich Heimweh, weil ich sehr viele Videos von der heutigen Karnevals-Sitzung in meiner Heimats-Stadt in Deutschland zugeschickt bekam. Der Karneval ist eigentlich meine größte Leidenschaft und ich war schon von Kindesbein an mit Herzblut dabei. Es bricht mir das Herz meine Freunde auf der Bühne stehen zu sehen und zu wissen, dass ich selber nicht dabei sein kann… Heute Morgen war ich noch voller Vorfreude und habe alle gebeten mir Videos zu schicken, doch ich habe, glaube ich, einfach die Situation unterschätzt. Heimweh kommt nicht langsam, es kommt plötzlich, ist aber dafür auch genauso schnell wieder vergangen.

Ich kann meiner Gastfamilie gar nicht genug danken, denn sie waren es, die mir Mut und Kraft gegeben haben aufzustehen und weiter zu machen. Durch diese fast 5 Monate hier bin ich ein ganzes Stück selbständiger und selbstbewusster geworden. Ich habe gelernt zu kämpfen und mit den verschiedensten Situationen umzugehen. Heimweh ist eine davon! Man braucht sich nicht zu verstecken, denn das ist das Schlimmste was man tun kann. Abwechslung und ein gutes Gespräch mit einer verständnisvollen Person helfen garantiert. Ich habe ein langes Gespräch mit meiner Gastmutter geführt und wir waren zum Mittagessen mit meiner Schwester und ihrem Mann verabredet. So war das Heimweh im Nu wieder verschwunden.

Das rate ich auch allen anderen Austauschschülern, die gerade sehr verzweifelt sind und nach Hause wollen: Seht es als Chance an eure Grenzen zu gehen! Sucht euch eine Abwechslung und weint euch mal so richtig aus. Ich weiß, dass man sich oftmals ziemlich blöd vorkommt wie ein kleines Kind zu weinen, gerade als Junge, aber ich kann euch nur dazu raten. Es hilft besser als die ganzen angeblich so tollen Tipps aus dem Internet! Und auch der alte Spruch: „Lachen ist wie Medizin“ trifft voll und ganz zu! Lacht so viel wie möglich und denkt gar nicht über die Ereignisse zu Hause nach, dann geht es euch gleich besser, I promise! Gebt bloß nicht auf und fliegt wieder nach Hause, denn das würdet ihr sehr bereuen!!! 😉

Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich mich nicht richtig ausgeweint habe, da ich tief im Innern immer noch überglücklich bin hier sein zu dürfen. Im Grunde genommen weiß ich nicht mal, warum ich überhaupt Heimweh hatte. Natürlich vermisse ich so manches an Deutschland, aber wer hat schon die Möglichkeit für 10 Monate eine komplett andere Welt kennen lernen zu dürfen?! Dankbarkeit und Fröhlichkeit sind die Gefühle, die ich eigentlich seit dem ich hier bin in mir trage. Heimweh war noch nie ein Problem und diesen kleinen Rückfall heute sehe ich als Challenge an mich selbst und nicht als etwas Schlechtes.

Für heute habe ich die Challenge dann geschafft! Man muss auch immer daran denken, dass dieses Jahr hier eine einmalige Chance ist und ich im Grunde genommen nichts zu vermissen habe. Den Karneval wird es ja hoffentlich noch etwas länger geben und nächstes Jahr kann ich dann wieder dabei sein.

Das erinnert mich an einen Satz, den mir eine gute Freundin heute geschrieben hat: „Merle, du bist echt komisch! Fast alle Austauschschüler bekommen Heimweh an Weihnachten und vermissen ihre Familie und du bekommst es an einem wahllosen Samstag wegen Gardetanz-Videos und vermisst den Karneval…“

Tja, so ist das eben im Leben, aber auch das geht weiter! Und wenn ich mal ehrlich bin, blicke ich eher traurig auf meinen Rückflug nach DE, denn hier ist mir mittlerweile schon alles ziemlich ans Herz gewachsen…

Bis dahin wünsche ich natürlich allen eine wunderschöne Session 2016 und ganz viel Spaß bei den Auftritten!!!

~Merle~

2 Gedanken zu “Heimweh

  1. Hallo Merle,
    auch wir vermissen dich hier sehr, eine Session ohne Marieschen ist halt nicht so toll,und nicht alle Männer wollen sich von mir küssen lassen 🙂
    Genieße Deine weitere Zeit in Amerika und Karneval gibt es wirklich auch noch im Jahr 2017.

    Mit einem ganz lieben

    3fach Engersch Helau

    Stephan

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  2. Hallo Merle, seit Weihnachten verfolge ich deine Eintragungen im Netz und freue mich, daß es dir so gut in Amerika geht. Liebe Grüße aus dem Westerwald senden Dir Dietmar und Jutta
    H

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